Mit den bisher dargestellten Geschäftsvorfällen: ergibt sich kein Abstimmungsbedarf:
* zentraler Geldeingang
* zentrale externe Rechnung mit Leistungen für mehrere Firmen
* interne Ein- und Ausgangsrechnungen
* zentraler Geldausgang
Das System generiert mittels der dargestellten Buchungstechniken adäquate
Positionen und Beträge in beiden Buchungskreisen. Da die Abstimmungskosten
nicht manuell bebuchbar sind, kann es hier nicht zu Differenzen
kommen.
In der Praxis sind jedoch auch andere Buchungsarten verbreitet. Kommt
z.B. das Modul SAP SD (Sales and Distribution), das auch die Fakturierung
unterstützt, nicht zum Einsatz, werden Forderungen und Verbindlichkeiten
über eine Schnittstelle ins Rechnungswesen übertragen. Bei einem
Geschäftsvorfall interne Ein- und Ausgangsrechnung liegt es jetzt beim
Vorsystem, diese Daten korrekt zu erzeugen, und bei der Schnittstelle,
diese ebenfalls korrekt zu übertragen. In der Summe entsteht ein Abstimmungsbedarf.
Bereits ab dem R/3-Release 4.6 ist ein Programm zur
Abstimmung von Forderungen und Verbindlichkeiten vorhanden. Innerhalb
eines SAP-Systems können diese Intercompany-Umsätze verglichen
und abgestimmt werden. Differenzen, die aus den unterschiedlichsten
Gründen entstanden sein könnten, werden somit frühzeitig erkannt.
Intercompany-Abstimmung in mySAP ERP Financials
Der gesamte Abstimmungsprozess wird ab mySAP ERP 2004 um einiges
besser unterstützt. Bisher wurden Differenzen auf den Intercompany-
Konten schwerpunktmäßig in der Konsolidierung festgestellt. Zu diesem
späten Zeitpunkt wurden von den Einzelgesellschaften Summensätze für
diese Geschäftsvorfälle gemeldet. Mit mySAP ERP 2004 ist es möglich,
unabhängig von der Anzahl und Art der Systeme Einzelposten schon vor
dem Konsolidierungsprozess zu melden.
In einem eigenen flexiblen Arbeitsbereich werden die Posten bearbeitet,
Differenzen gefunden und anschließend im jeweiligen Einzelabschluss
korrigiert. Ziel ist es, die Qualität der Intercompany-Zahlen zu erhöhen
und somit aufwändige Arbeiten und Rückfragen in der Konsolidierung zu
vermeiden. Abbildung 3.9 zeigt den kompletten Prozess.
1. Datenselektion von SAP-Systemen als Remote Function Call und von
Nicht-SAP-Systemen mit ASCII-Dateien
2. Datenspeicherung in flexiblen Special-Ledger-Tabellen
3. Überarbeitete Darstellung und Analyse der Daten, d.h., mittels flexibler
Regeln können zugehörige Positionen gefunden und ausgeglichen
werden. Es können jetzt Forderungen, Verbindlichkeiten und Hauptbuchbelege
miteinander abgeglichen werden.
4. Noch zu klärende Positionen können direkt per E-Mail an die zuständigen
Sachbearbeiter der einzelnen Gesellschaften gesendet werden.
Die gesendete Korrespondenz ist im System dokumentiert.
5. Eine Schnittstelle (BAdI) ist für automatische Korrekturbuchungen vorbereitet.
Es ist selbstverständlich, dass Software den allgemeinen Prozess nur
unterstützen kann. In der Praxis müssen Personen die Differenzen klären
und sich einig sein. Ein zentrales Abstimmungstool innerhalb einer verteilten
SAP-/Nicht-SAP-Landschaft erzeugt bereits einen hohen Mehrwert.
Kunden, die bisher eine manuelle Abstimmung vorgenommen
haben, können das neue Tool einsetzen und Prozesse beschleunigen. Mit
einer zentralen Übersicht über Differenzen und Korrespondenzen lässt
sich der Abstimmungsprozess zusätzlich besser strukturieren und transparenter gestalten. Abschließend ist die Möglichkeit der zur Verfügung
gestellten Schnittstellen (BAdI) zu betrachten.
Nicht geklärte Differenzen können mit einer automatisierten Buchung in
den verteilten SAP- und Nicht-SAP-Systemen beseitigt werden. Diese
technische Möglichkeit rundet den Abschlussprozess ab. Hier ist es eher
die betriebswirtschaftliche Fragestellung, ob Ihre dezentralen Konzerneinheiten
einem solchen Konzept überhaupt zustimmen. Die Möglichkeit
der Korrekturbuchung kann die Disziplin innerhalb des Intercompany-
Prozesses verbessern, wird in den meisten Fällen jedoch
Klärungsbedarfe lediglich auf einen Zeitpunkt nach dem Abschlussstichtag
verlagern.
Da bei der Speicherung der Daten auf das Special Ledger zurückgegriffen
wird, bietet das auch alle Vorteile dieser Technik:
* Buchung von Einzelposten
* Auswertung mit dem Standardberichtswesen
* Verwaltung von Versionen
* flexible Erweiterbarkeit für kundeneigene Felder
Abbildung 3.10 weist auf die Möglichkeit der Integration in den Datenmonitor
der Konsolidierung hin. Da es sich beim Abstimmungsprozess
um Transaktionen handelt, können diese als Meilensteine leicht integriert
werden. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es sich um einen eigenen
Arbeitsbereich handelt, der lediglich Vorarbeiten dient. Von der Struktur
her handelt es sich hier auch um zwei sehr unterschiedliche Dinge. Zum
einen werden Intercompany-Konten auf der Ebene der Einzelposten
gespeichert, in der Konsolidierung werden jedoch alle Konten auf Summenebene
benötigt. Mit der Intercompany-Abstimmung (ICR) werden
Einzelabschlüsse in ihrer Qualität verbessert, die anschließend an die
Konsolidierung weitergereicht werden.
Für jene Kunden, die sich in der Vergangenheit ein eigenes Tool gebaut
haben, gibt es mit dem Release mySAP ERP 2004 vielleicht die Möglichkeit,
zum Standard zurückkehren zu können.
Martin Strohmeier und Jörg Siebert I Quelle: SAP PRESS Buch mySAP ERP Financials"