Bestechung im Auslandsgeschäft ist in Deutschland seit 1998 verboten. Doch ernst nahm dieses Verbot kaum jemand – stets lag die beste aller Ausreden parat: „Bestechen tun alle, anders kannman gar kein Geschäft machen.“ Seitdem die gesamte Siemens-Riege inklusive „Mister Siemens“ Heinrich von Pierer öffentlich an den Pranger gestellt wird, hat sich vieles geändert: Besorgt fragen die Geschäftsführer anderer Großkonzerne: Wie sieht es eigentlich bei mir aus? Um sich gegen Risiken abzusichern, werden
Whistleblowing-Hotlines eingeführt, Ethikrichtlinien verfasst und Compliance-Strukturen implementiert.Der Mittelstand zeigt sich von dieser Aufbruchsstimmung bisher seltsam unberührt. Zu Recht, glaubt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft: „In der jüngeren Vergangenheit waren es die großen Unternehmen, die im Zusammenhang mit Korruptionsskandalen aufgefallen sind. Wenn jemand verlässlich arbeitet, sind es die Mittelständler.“ Das ist natürlich Unsinn. Sie sind nur nicht aufgefallen.
Ethisch in Ordnung war Bestechung noch nie. Aber mit dem wachsenden öffentlichen Compliance-Bewusstsein und einer immer strengeren Rechtsprechung wird sich Bestechung in Zukunft einfach nicht mehr rechnen: Das Risiko einer Non-Compliance ist – nicht zuletzt durch die aktuelle BGH-Entscheidung zur Strafbarkeit schwarzer Kassen – zunehmend größer als die Verluste aus entgangenen Geschäften und die Investitionen in Compliance-Maßnahmen. Auch für Mittelständler ist es daher höchste Zeit, die eigenen Strukturen zu durchleuchten. Bevor
andere auf die Idee kommen. Denn dann wird es richtig teuer. Siehe Siemens.