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  Compliance : REACH - Chemie ist überall

REACH betrifft fast alle produzierenden Unternehmen.
Viele haben dies noch nicht erkannt.


„Öle, Fette, Schmierstoffe – für die meisten Maschinenbauer sind das Hilfs- und Betriebsstoffe. Dass sie Chemikalien einsetzen, ist vielen unserer Mitglieder gar nicht klar.“ Insofern, meint Dr. Darius Soßdorf vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), sei das geringeProblembewusstsein der meisten Verbandsmitglieder in Bezug auf die europäische Chemikalienverordnung REACH wenig erstaunlich. Doch dies ist riskant. Denn erklärtes Ziel von REACH ist es, die gesamte Lieferkette in die Pflicht zu nehmen. In der REACH-Terminologie sind Maschinenbauer, Papierhersteller oder Elektrotechnikunternehmen nachgeschaltete Anwender, und sie sind dazu verpflichtet, ihren Lieferanten Informationen zur Verwendung der von ihnen bezogenen Chemikalien zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Basis müssen die Chemiehersteller wiederum die Stoffe und Anwendungen registrieren bzw. vorregistrieren. Tun sie dies nicht, gilt ab Dezember 2008 der Grundsatz „No Data, no Market“ – die Stoffe dürfen dann nicht mehr verkauft bzw. nicht mehr in den nichtregistrierten Anwendungen genutzt werden. Seit Juni läuft die Vorregistrierungsphase, und damit gewinnen Hersteller und Importeure vor allem Zeit: Denn ist ein Stoff vorregistriert, muss die eigentliche Registrierung – je nach Menge – erst 2010 bis 2018 abgeschlossen sein.

„Die Vorregistrierung ist umsonstund nicht aufwendig. Daher ist davon auszugehen, dass alle in der EU produzierten Stoffe auch vorregistriert werden“, sagt Soßdorf. „Für die meisten Maschinenbauer wird es erst 2018 richtig spannend: Ab diesem Zeitpunkt werden alle Stoffe vom Markt verschwinden, bei denen sich die Registrierung aus wirtschaftlichen Gründen für den Produzenten nicht lohnt. Die Stoffe stehen dann für Maschinen- und Anlagenbauer nicht mehr zur Verfügung.“ „2018? Das ist noch lange hin“, mag da so mancher denken. Entspannt zurücklehnen können sich die nachgeschalteten Anwender deshalb nicht. „Die große Herausforderung von REACH ist“, meint Dr. Bernd Schneider, Leiter des REACH-Teams bei PricewaterhouseCoopers, „dass die Verordnung Auswirkungen auf die gesamte Produktpalette und somit letztendlich auf die Strategie des Unternehmens haben kann. So müssen Einkauf oder F&E-Abteilung Alternativen für nicht mehr erhältliche Substanzen suchen. Das Controlling muss prüfen, ob bestimmte Produkte trotz REACH-Kosten rentabel sein werden, bzw. zu welchem Preis sie verkauft werden müssen. Der Verkauf muss die Gründe für die steigenden Preise kommunizieren. All dies kann zu strategischen Entscheidungen führen, die letztendlich nur die Geschäftsführung treffen kann.“ Den meisten nachgeschalten Anwendern sei dies bisher nicht klar, meint Schneider. „Nach meiner Erfahrung wird das Thema meist in den Bereichen Qualitätssicherung oder Anwendungsforschung angesiedelt.

Die REACH-Verantwortlichen wurden in der Regel von der Geschäftsführung aufgefordert, ein REACH-Budget aufzustellen, welches allerdings meist nur direkte Kosten für Behördengebühren und Testkosten enthält. Indirekte Kosten wie notwendige IT-Systemanpassungen oder nicht quantifizierbare Risiken wie der Wegfall von strategischen Rohstoffen werden oft ausgeklammert. Da sie die Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen nicht abschätzen können, fühlen sich diese Bereiche oft überfordert.“ Schneider rät daher, das Thema crossfunktional zu behandeln, wobei der Compliance-Verantwortliche eine koordinierende Funktion hat. Auf ein weiteres Risiko in Verbindung mit REACH weist Martin Gallizia, Leiter des Branchenteams ChemPharm beim Versicherungsmakler und Risikoberater Marsh hin: „Werden Stoffe ersetzt, muss geprüft werden, ob dies Auswirkungen auf die Produktqualität hat. Ansonsten gehen Unternehmen das Risiko ein, dass die Produkthaftpflichtversicherung auf Basis der sogenannten „Erprobungsklausel“ potentielle Sach- und Vermögensschäden nicht deckt.“ Wichtig sei vor allem aber ein klares Vorstandsbekenntnis, meint Schneider: „Ich habe schon öfters von Compliance-Officern gehört, dass ihnen das Thema Bauchschmerzen bereitet. Der CEO erfährt davon oft nichts – schließlich gibt niemand gerne zu, dass er sich überfordert fühlt. Für die Geschäftsführung ist das extrem riskant – schließlich trägt sie die letzte Verantwortung.“



Quelle: Katharina Schlüter, www.compliance-plattform.de




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