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  Übersicht Kostenträgerrechnung

Wie Sie das Produktkosten-Controlling einsetzen und das Customizing dazu einstellen, hängt davon ab, wie Ihr Wertschöpfungsprozess aussieht und wo für Sie der Schwerpunkt der zu analysierenden Kosten liegt. Als ein Massenfertiger, der große Mengen identischer Produkte fertigt, werden Sie vermutlich daran interessiert sein, die tatsächlichen Istkosten und deren Abweichungen von den Sollkoksten für Ihre einzelnen Produkte insgesamt zu betrachten, wobei Sie ein einzelner Fertigungsauftrag eher weniger interessiert. Bei einer komplexen Kundeneinzelfertigung hingegen werden Sie für jeden Kundenauftrag überwachen wollen, ob ein positiver Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird und wie hoch die Marge ist. Wir wollen Ihnen in diesem Überblick ein paar typische Geschäftsszenarien vorstellen und skizzieren, wie diese in der Kostenträgerrechnung in SAP ERP abgebildet werden könnten.

Grundsätzlich lassen sich Fertigungsprozesse unterteilen in anonyme Lagerfertigung und Kundeneinzelfertigung. Im ersten Fall produzieren Sie identische Güter, die auf Lager gelegt und von dort bei Bedarf verkauft werden. Bei einer Kundeneinzelfertigung stellen Sie speziell für einen bestimmten Kundenauftrag Ware her, die in manchen Fällen auch noch an die besonderen Kundenwünsche angepasst wird.


Anonyme Lagerfertigung

Betrachtet man die anonyme Lagerfertigung, so lassen sich auch hier noch unterschiedliche Szenarien skizzieren. Abhängig von der Stückzahl, die jeweils hergestellt wird und vom Sortiment der unterschiedlichen Güter betrachten wir hier die Werkstattfertigung, Kleinserienfertigung und Serienfertigung.

Bei der Werkstattfertigung stellen Sie im Rahmen eines Fertigungsauftrags jeweils nur kleine Mengen eines bestimmten Produktes her, gleichzeitig produzieren Sie aber eine große Anzahl unterschiedlicher Produkte mit denselben Fertigungskapazitäten. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn Sie im Maschinenbau tätig sind und unterschiedliche Bauteile (diverse Zahnräder, Gehäuse oder Getriebe) für Ihre Endprodukte herstellen. In einem solchen Fall sind Sie daran interessiert, die Kosten bzw. Abweichungen der Kosten von den Sollkosten je Fertigungsauftrag zu analysieren. So können Sie beispielsweise Rückschlüsse darüber ziehen, dass die Rüstzeiten jeweils sehr hoch sind und überlegen, ob Sie zusätzliche Werkzeuge anschaffen oder die Anordnung der Arbeitsplätze ändern.

Die Kleinserienfertigung ist nicht in jedem Fall eindeutig von der Werkstattfertigung zu unterscheiden; prinzipiell gilt hier jedoch die Annahme, dass Sie eine kleinere Anzahl verschiedener Produkte fertigen und dies jeweils in größerer Stückzahl als bei der Werkstattfertigung. Typischerweise haben Sie Ihre Fertigungsvorrichtungen auch stärker spezialisiert und automatisiert. Ein Beispiel für diese Art der Fertigung ist der Buchdruck, wo Sie in jeder Serie eine Auflage eines bestimmten Buches herstellen, möglicherweise auch mehrere Auflagen von verschiedenen Büchern parallel. In diesem Szenario kann es Fälle geben, wo Sie wie bei der Werkstattfertigung die Kosten und Abweichungen einzelner Fertigungsaufträge interessieren, möglicherweise wollen Sie aber auch eher produktorientiert die Zahlen je Periode auswerten.

Von Serienfertigung sprechen wir, wenn Sie ein kleines Portfolio von Produkten in großen Mengen auf identische Weise herstellen, wie beispielsweise in der Getränkeindustrie oder bei der Herstellung von Zigaretten oder Streichhölzern. Hier richtet sich Ihr Augenmerk nicht mehr auf einzelne Fertigungsaufträge, sondern Sie analysieren auf Produktebene.


Kundeneinzelfertigung

Im Rahmen der Kundeneinzelfertigung unterscheiden wir zwischen der komplexen Kundenauftragsfertigung und der kundenauftragsbezogenen Massenfertigung. Im Prinzip kommt hier als weiteres Szenario die Projektfertigung hinzu, das ausführlich im SAPPRESS Buch „Projektcontrolling mit SAP“ dargestellt wird.

Bei der komplexen Kundeneinzelfertigung stellen Sie für einen konkreten Kundenauftrag ein Produkt her, das anhand der Wünsche des Kunden individuell konfiguriert wurde. Typischerweise setzen Sie dabei die Variantenkonfiguration ein, wo Sie je Produkt eine Maximal-Stückliste und einen Maximal-Arbeitsplan hinterlegen. Das bedeutet, dass Sie im Vorhinein vorgeben, welche Kombinationsmöglichkeiten für ein bestimmtes Produkt möglich sind und welche nicht. Die Herstellung des Produkts erfordert somit keine weitere Entwicklungsleistung, es muss nur montiert werden.

Es sind damit auch nicht alle beliebigen Kundenwünsche erfüllbar; bestellt der Kunde etwas, was in Ihrer Variantenkonfiguration nicht vorgesehen ist, so handelt es sich um eine Projektfertigung, die entsprechend anders abgewickelt wird. Ein Beispiel für diese Art der Fertigung ist der Bau von Hochpräzisionswaagen, die mit unterschiedlichen Wägebereichen, Auflagen, Displays oder Netzkabeln hergestellt werden. In diesem Szenario kann es durchaus sein, dass jedes kundenspezifisch gefertigte Produkt ein Unikat ist oder nur selten in derselben Konstellation verkauft wird. Daher liegt Ihr Augenmerk hier weniger auf den Fertigungsaufträgen, da diese sich schlecht miteinander vergleichen lassen. Vielmehr sind Sie daran interessiert, ob Sie auf der Ebene des Kundenauftrags profitabel sind.

Kundenauftragsbezogene Massenfertigung bedeutet, dass Sie nicht auf Lager produzieren, sondern jeder Fertigungsauftrag den Bedarf eines individuellen Kundenauftrags befriedigt. Im Gegensatz zur komplexen Kundeneinzelfertigung stellen Sie aber große Mengen identischer Produkte mit nur wenigen Variationen her. Ein typisches Beispiel für dieses Szenario ist der Automobilbau. Im Mittelpunkt des Interesses der Controller steht hier wieder das Produkt und weniger der Kundenauftrag.

Um diese verschiedenen Beispiele in der Kostenträgerrechnung abzubilden, stehen Ihnen im Wesentlichen die Funktionalitäten des auftragsbezogenen und des periodischen Produkt-Controllings sowie das Kundenauftrags-Controlling zur Verfügung.

Im auftragsbezogenen Produkt-Controlling steht der individuelle Fertigungsauftrag im Fokus, der wiederum je nach Szenario mit einem Produktkostensammler oder einem Kundenauftrag verknüpft sein kann. Sie setzen Fertigungsaufträge in allen beschriebenen Szenarien ein und können je Auftrag Sie die auftragsspezifischen Plankosten ermitteln, die Istkosten buchen und bei Bedarf eine Ermittlung der Abweichungen und der Ware in Arbeit durchführen. Auf welcher Ebene Sie die Kosten und Abweichungen ermitteln, hängt vom Szenario ab: Bei der Werkstattfertigung und Kleinserienfertigung und bei der kundenauftragsbezogenen Massenfertigung werten Sie in der Regel die Fertigungsaufträge aus.

Das periodische Produktkosten-Controlling führt als zusätzliche Konzepte den Produktkostensammler und die Kostenträger-Hierarchie ein. Produktkostensammler legen Sie je Material und Werk an (bei Bedarf auch noch weiter untergliedert, siehe weiter unten) und ordnen alle Fertigungsaufträge zum entsprechenden Material dem Produktkostensammler zu. Im Gegensatz zu Fertigungsaufträgen werten Sie bei Produktkostensammlern periodisch aus, aggregiert auf einem Material. Mit Kostenträger-Hierarchien können Sie darüber hinaus noch mehrere Materialien hierarchisch gegliedert darstellen. Typischerweise setzen Sie das periodische Produktkosten-Controlling ein, wenn Sie Serienfertiger sind; auch bei der kundenauftragsbezogenen Massenfertigung könnten Sie statt auf der Ebene von Fertigungsaufträgen auch anhand von Produktkostensammlern auswerten.

Im Rahmen des Kundenauftrags-Controllings steuern Sie, auf welche Weise Sie Analysen auf der Ebene von Kundenauftragspositionen durchführen wollen. Sie entscheiden, ob diese kosten- und erlösführend sein sollen und ob Sie einen bewerteten Kundeneinzelbestand je Kundenauftragsposition führen wollen. Ist eine Kundenauftragsposition kosten- und erlösführend, so ist sie damit selbst ein Controlling-Objekt, das Sie direkt bebuchen und auf dem Sie Kosten und Erlöse auswerten können. Arbeiten Sie mit dem bewerteten Kundeneinzelbestand, so stellen Sie eine direkte Verknüpfung zwischen Fertigungsauftrag und Kundenauftragsposition her. Die fertige Ware wird dann nicht ans anonyme Lager geliefert, sondern in den Bestand des Kundenauftrags. Damit stellen Sie sicher, dass diese kundenspezifische Ware für den entsprechenden Kunden reserviert ist und ohne weiteres nicht von anderen Kundenaufträgen beansprucht werden kann. Sie können außerdem im Customizing einstellen, wie die Ware bewertet werden soll, da es sich ja im Falle der komplexen Kundeneinzelfertigung um ein Unikat handelt, für das es möglicherweise keinen Standardpreis gibt. Bei der komplexen Kundeneinzelfertigung können Sie Deckungsbeiträge je Kundenauftrag ermitteln, wenn Sie die entsprechenden Kundenauftragspositionen als kosten- und erlösführend kennzeichnen. Tun Sie dies nicht, können Sie wie in der anonymen Fertigung auf Ebene der Fertigungsaufträge auswerten. In einem Szenario der kundenauftragsbezogenen Massenfertigung werden Sie Ihre Analysen eher in Bezug auf Fertigungsaufträge oder auch Produktkostensammlern durchführen.

Das Controlling von immateriellen Gütern und Dienstleistungen erlaubt es Ihnen, in Bezug auf einen allgemeinen Kostenträger, der in seiner Funktionsweise Innenaufträgen ähnelt, Kosten zu planen und zu verrechnen. Diese Art der Kostenträgerrechnung spielt nur eine untergeordnete Rolle, da sie nicht unmittelbar in die logistischen Module des SAP ERP integriert ist.

Quelle: Martin Munzel
Blog: http://munzel.fico-forum.de


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